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RSSPrint

Modernisierung

15.07.2020

Groß Schönebecker sammeln für ihre Kirchenuhr

Egal, aus welcher Richtung – wer sich Groß Schönebecks Ortsmitte nähert, dem zeigt die Kirchturmuhr die Zeit. Vier Zifferblätter prangen am alten Wehrturm der Immanuelkirche. Allerdings – jedes gibt eine andere Uhrzeit an, und keine davon stimmt. "Mit den Jahren ging die Uhr immer ungenauer und dann gar nicht mehr", sagt Jörg Mitzlaff, der Vorsitzende des Groß Schönebecker Bürgervereins. Dem Laufwerk, das regelmäßig nachjustiert werden muss, fehlen Wartung und Pflege.

"Jetzt sind wir gefragt", heißt es deshalb auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Dort hat der Bürgerverein eine Spendenkampagne gestartet. Das erklärte Ziel: "Wir wollen unseren Stundenschlag wieder zurück und unsere Turmuhr wieder in Gang bringen." Die Idee, sagt Mitzlaff, sei eine moderne Lösung. Dafür liege ein Angebot von einem Berliner Glockenbauer vor. Er würde die Uhr mit einem neuen elektronischen Motorzeigertreibwerk ausstatten, einem kleinen Modul, das sekundengenau über Funksignale gesteuert wird. Insgesamt 5.032,99 Euro sollen die Elektronisierung des Zeitmessers und die Erneuerung der Anschlüsse zu den Zifferblättern kosten.

Dritte Erneuerungskur der Uhr

"Allein können wir das nicht stemmen", sagt Jürgen Meier, der in der Kirchengemeinde für Baufragen zuständig ist. Die Kirchengemeinde, die selbst 1000 Euro aufbringt, hatte daher den Bürgerverein um Hilfe gebeten. Nachdem der ebenfalls 1000 Euro aus dem Spendentopf des Vereins zusagte, zog auch der Ortsbeirat nach und kündigte eine Summe in derselben Höhe an. Der Rest, etwas mehr als 2000 Euro, soll bis zum 19. September aus den Internetspenden zusammenkommen. "Wenn wir es schaffen, bis zum Herbst die Summe gemeinsam aufzubringen, kann die Uhr noch dieses Jahr repariert werden", sagt Vereinschef Mitzlaff.

Für die Uhr, die 1830 der Königliche Stadt- und Hofuhrmacher von Berlin Eduard Möllinger gebaut haben soll, wäre es wohl die dritte Modernisierung. Einmal soll sie im Jahr 1881 überholt worden sein. Mitte der 80er-Jahre restaurierte sie dann der Groß Schönebecker Dieter Müller.

Anders als damals steht die Uhr heute allerdings nicht still. "Die läuft auch noch hundert Jahre. Man muss aber regelmäßig hoch und sie aufziehen", sagt Müller. Der damalige Reparaturschlosser, der nach der Wende zwei Jahre Bürgermeister in Groß Schönebeck war, arbeitete das Uhr- und das Glockenschlag in seiner Freizeit auf. Viele Einzelteile baute der heute 71-Jährige nach, von Zahnrädern über Zeiger bis hin zum Pendel. "Allein ein Jahr ging mit Berechnungen und dem Studium von Fachliteratur drauf", berichtet er. Außerdem versah er die Mechanik schon damals mit einem Motor für den Stundenschlag.

Bis vor zehn Jahren stieg Müller auch noch regelmäßig auf den Kirchturm, um die Uhr nachzujustieren und zu pflegen. Mit einem Pfarrerswechsel seien seine Dienste danach jedoch nicht mehr gebraucht worden, erzählt er. "Ich persönlich würde immer so ein altes Uhrwerk vorziehen", sagt Dieter Müller noch immer. Dass die Kirchturmuhr künftig funkgesteuert laufen soll, sei aber auch für ihn völlig in Ordnung, stellt er klar.

Wenn jeder Groß Schönebeckerin und jeder Groß Schönebecker 1,20 Euro spenden würde, dann wäre die Summe für die Funkuhr schon beisammen, hat Vereinschef Jörg Mitzlaff ausgerechnet. Einige haben bereits gespendet, auch direkt aufs Vereinskonto. So seien außer den 290 Euro, die in den ersten Tagen der Kampagne übers Internet zusammengekommen sind, bereits rund 500 Euro eingegangen. Wünschenswert wäre aber, wenn möglichst viele Spenden über die Online-Plattform eingehen, sagt Mitzlaff. "Dort kann man auch genau nachverfolgen, wie viel Geld schon da ist." Wer mehr als 50 Euro dazugibt, werde später namentlich auf einer Spendentafel im Kirchturm aufgeführt.

Und was, wenn das Geld nicht bis September zusammenkommt? "Dann wäre das Projekt gescheitert", sagt Jörg Mitzlaff. "Entweder wollen es die Bürger oder nicht."

Quelle: MOZ, Ellen Werner / 02.07.2020, 05:00 Uhr