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RSSPrint

Fairtrade-Laden zieht um

19.11.2020


Sanierung

Es ist eines der ältesten Häuser im Dorf - die alte Schule von Groß Schönebeck. Nach zwei Jahren Umbau bezieht der Laden „Solidario“ im heutigen Kirchgemeindehaus nun neue Räume. Von Ellen Werner

Kaffee und Gewürze, Schmuck und Schals, Bambusgeschirr und Kinderspielzeug - ein Großteil der „Solidario“-Waren steckt schon in Kisten und Wäschekörben. „Wir haben in dieser Woche unsere Regale und Schränke ausgeräumt“, berichtet Angelika Pankratz, eine der zehn Frauen, die sich um den Fairtrade-La-den der evangelischen Kirchengemeinde in Groß Schönebeck kümmern. Am Sonnabend soll der Umzug Teil eins stattfinden.

Umzug als Herausforderung

„Wir ziehen zwar nur von Tür zu Tür“, sagt die Ehrenamtlerin. Doch im Zusammenhang mit den Pandemiemaßnahmen wird der einfachste Umzug zur logistischen Herausforderung. Damit nicht alle vom Ladenteam gleichzeitig Zusammentreffen, packen die Frauen, die zum Teil ihre Männer eingespannt haben, in wechselnden Schichten an. „Wie weit wir kommen, wissen wir noch nicht“, sagt Angelika Pankratz.

Ob deshalb die Freitagsöffnung nur in dieser Woche oder nochmals entfallen muss, ist noch ungewiss. Fest steht für die „Solidario"-Mitstreiterin aber eines: „Wir ziehen in den schönsten Raum in unserem ganzen Haus.“

Seit etwa zwei Jahren wird am und im evangelischen Gemeindehaus an der Adresse Liebenwal-der Straße 54 gebaut. Geplant war die Sanierung nicht. „Das Haus fiel uns fast über dem Kopf zusammen“, sagt Pfarrerin Sabine Müller, die ihr Amt in Groß Schönebeck 2017 angetreten hatte. Teile der Holzkonstruktion des Fachwerkhaus waren marode. Es bestand Einsturzgefahr. „Da wurde die Arme-Leute-Bauweise sichtbar.“

In der Kirchengemeinde habe man daher zunächst intensiv über die Zukunft des Gebäudes nachgedacht. Verkaufen oder auch ein Teilabriss gehörten zu den Optionen. „Wir haben aber gemerkt, wir wollen es noch nutzen und haben dann doch Fördergelder bekommen“, sagt die Pfarrerin. „Und jetzt wird es richtig schön.“

Viele Groß Schönebecker verbinden mit dem Haus Erinnerungen, ist der Kirchenfrau bewusst. Bevor es der Kirche überschrieben wurde, war es das Schulhaus. Noch bis 1970 fand in zwei Klassenräumen Unterricht statt. Auch ein. Kindergarten war hier eine zeitlang untergebracht. Bei der zum Teil denkmalgerechten Sanierung ging es insbesondere um den rechts vom Hofeingang gegenüber der Kirche gelegenen Gebäudeteil - eines der ältesten Häuser im Dorfkern Groß Schönebecks überhaupt. 1812 wurde diese Hälfte des roten Backsteinhauses erbaut - nachdem ein früheres Schulhaus in der Schlossstraße im selben Jahr abgebrannt war. Und man, wie Groß Schönebecks Museumschef Helmut Suter zur Chronik berichten kann, im Dorf ohnehin schon fast zwei Jahrzehnte über einen Schulneubau diskutiert hatte, weil damals bereits die Schülerzahlen explodierten.


So war es auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schon für die 345 Schüler in drei Klassen, die 1847 gezählt wurden, reichte der Platz längst nicht mehr aus, schreibt Suter im Gemeindeblatt, dem „Kirchenboten“. 1861 sei das Gebäude in südlicher Richtung verlängert worden und habe dabei seine noch erhaltene massive Backsteinanmutung bekommen. Die Haushälfte ist von der Renovierung vorerst ausgenommen.

Pfarrerin Müller ist froh darüber, dass der sanierte Teil in seinem Inneren wieder als Fachwerkbau mit lehmverputzten Zwischenräumen zu erkennen ist. Gebaut wurde etappenweise mit Pausen. „Die Kirchengemeinde musste erst immer Gelder ansparen" erläutert die Hausherrin. 75.000 Euro für die Sanierung habe allein der Kirchenkreis Barnim zugeschossen. „Von uns selbst kommen auch nochmal mindestens 50.000 Euro“, sagt Sabine Müller.



Arbeiten dauern bis März Nach den Sicherungsarbeiten an Giebel und Hinterseite, dem kompletten Austausch des Fachwerks an der Südwestseite des Ursprungsbaus und dem Einbau neuer Wände und Fenster waren zuletzt die Maler und Fußbodenleger im Einsatz. Noch bis März sollen die letzten Arbeiten andauern. Zuvor wird aber auch das Gemeindebüro frisch renovierte Räume im Gemeindehaus beziehen. Der Eine-Welt-Laden „Solidario“ hat voraussichtlich ab dem 27. November wieder freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. An den drei Adventssamstagen im Dezember Weihnachtsöffnungen jeweils von 10 bis 14 Uhr. Offiziell feiert der Laden seine Einweihung nach dem Umzug im nächsten Jahr. Im Januar nämlich wird das einzige ländliche Fairtrade-Geschäft im Barnim zehn Jahre alt.

Quelle: Barnim Echo